Der Ruf Bambergs erschallte dieses Jahr ein zweites Mal durchs Reich. Der einzig wahre Führer erhörte ihn und reiste samt seinem ihm hörigen Gefolge nach Franken, um die Schirmherrschaft für den Lauschangriff zu übernehmen und danach auch das gesamte Festival für sich einzunehmen. Ein Vorgeschmack auf die Fulminanz der kommenden Ergreifung der Weltherrschaft sollte es sein, und es wurde nicht zuviel versprochen!Gaue aus dem ganzen Reich waren anwesend: Gau Franken, Ortsgruppe Erlangen, Ortsgruppe Bamberg, Ortsgruppe Schweinfurt, Gau Bayern, Kringel Augsburg, Kringel Jena, Gau München, Gau Leipzig.
Freitag
Nie war eine Anreise zu einer FDÄ-Aktion beschwerlicher, als diese. Denn nach teils 5stündiger Anreise per Reichsbahn mit Zwischenhalten in diversen bereits von der einzig wahren nationalen Kraft eroberten Frontstädte erreichten wir das beschauliche Bamberg und musste dort feststellen, dass der Wetterbeauftragte der Front geschlampt hatte, so dass wir uns gezwungen sahen, bei apokalyptischen Platzregen, orkanartigen Böen und 35°C zum Festivalgelände zu pilgern, während über unseren sauber mit exakten Seitenscheiteln versehenen Köpfen hinweg die Blitze zuckten und dröhnender Donner unseren Weg begleitete, so dass uns nach kurzer Zeit die feschen schwarzen Anzüge am Astralleib klebten, durchtränkt mit gutem deutschem Schweiß. Doch unsere nationalen Parolen, lauthals gerufen samt Wagners Walkürenritt gaben uns den Mut und die Kraft, die notwendig waren, um unser Ziel zu erreichen, sogar noch vor unserem geliebten Führer, der standesgemäß mit einem von der Ortsgruppe Bamberg organisierten Hummer samt Chauffeur von der Reichsbahn abgeholt worden war. Selbstverständlich verfügte neben den anderen Gruppierungen, die am Lauschangriff teilnahmen (z.B. Attac, die Veganer, Sprayer, und weitere Kreative) die FDÄ über einen eigenen Pavillon der erstmal ordentlich mit Fahnen, Bannern, Aufstellern, zahlreichen Postern, Fliegern, Äpfeln, Buttons, Autogrammkarten und Bierbänken aufgepimpt wurde. Nachdem zwischenzeitlich auch die letzten Nachzügler eingetroffen waren, Begrüßungskuscheln und die Wiedersehenstränen getrocknet waren, war es Zeit zum Arbeiten. So begab sich eine Delegation von uns in den Hinterderbühnebereich des Geländes hin zum Führerbunker, wo der erste Auftritt der FDÄ geprobt werden sollte. Selbstverständlich wurde dabei mit voller Absicht (!) die Alarmanlage des Hummers ausgelöst und der Auftritt der Hipf-Hüpfer gestört, um auf uns aufmerksam zu machen und die Menge tobender desorientierter Jugendlicher so richtig wuschig werden zu lassen. Dann war es endlich soweit. Der Moment, auf den nicht nur aber dafür am lüsternsten die Geier der Systempresse solang gewartet hatten, war gekommen. Der Einmarsch des Führers: flankiert von heroischen Bodyguards, strammen fränkischem Gauleiter, gar liebreizenden Mädchen mit Fahnen sowie tapferen Trägern des roten Teppichs fuhr der Hummer des Einzig-einen, - ER, der dessen Name genannt werden darf, ER, den alle anbeten, ER, der Grund, warum morgens nicht die schwarze Sonne aufgeht – im Blitzlichtgewitter vor die Bühne:
Nachdem das begeisterte (wenn auch bis dahin noch verweichlichte) Publikum durch des Führers Ansprache geläutert, auf Kurs gebracht und auf das kommende totalitäre Regime eingeschworen worden war, wurde es auch körperlich fit für den Kampf an der einzig wahren nationales Front gemacht – durch Hitlersport. Frühere Landschaftmaler haben darauf geschworen, Veranstalter gewisser Jugendzeltlager halten diese Tradition noch heute hoch, doch niemand hitlersportlert so unübertroffen elanreich und martialisch wie die fränkische Front Deutscher Äpfel. Das Volk jubelte! Die Stimmung hielt bis in die späten Abendstunden vor, als vor dem Frontpavilion Fackeln und Teelichter aufgestellt wurden und einen Hauch nationaler Romantik und ein gesundes Leuchten auf die Apfelbäckchen unserer Kameraden verströmten. Samstag Am Tag 2 wurden die patriotischen Gelüste der vielen Festivalbesucher auch weiterhin tüchtig stimuliert. Dies u.a. durch diverse Aktionen wie z.B. Ausdauer-Apfelhalten mit ausgestreckter rechter Hand – die überwiegend strafunmündigen Kandidaten lehnten ein Abkaufen der doch eher verfänglich wirkenden Fotos vom eigens engagierten Pressegeier jedoch ab – sowie eine erneute Rede unseres allseits geliebten Führers samt Eintrag ins Goldene Buch. Nicht zu vergessen natürlich eine weitere Lektion in Sachen Leibesertüchtigung. Merke: Hitlersport funktioniert zu nahezu allen Liedern. Jedoch können Titel wie „YMCA“ beim Pöbel gruppendynamische Desorientierung auslösen.Zum Abschluss kam es noch spontan zu einer „kleinen“ Polonaise, angeführt vom Ortsgruppenleiter Bambergs, dem sich das gesamte Festival anschloss. Ska-Fans kamen am späten Abend dann nochmal so richtig auf ihre Kosten, als die Gruppe Rantanplan auftrat. Ein Grund natürlich, dass Kamerad Sascha unverzüglich dezent Kontakt aufnahm, indem er gänzlich selbstlos auf die Bühne sprang, ein Lied mitsang und so für eine repräsentative Erwähnung der FDÄ durch die Liedermacher sorgte. Auch der Einsatz unseres Kamerad Frankenmost sollte hier würdig erwähnt werden, der, nachdem sich herausstellte, dass keine festivaleigenen Sanitäter vor Ort waren, sich als solcher zum Dienst an der Front meldete. Über diesen edelmütigen Akt derart erfreut, meldete sich hingegen ein Passant spontan dazu bereit, sich eine überragende Platzwunde zuzuziehen. Die Situation konnte durch den heroischen Einsatz unseres tapferen Kameraden selbstverständlich gerettet werden. Sonntag Der letzte Tag des Lauschangriffs stand ganz im Zeichen des Weißwurstfrühstücks. Mag hierzulande diese Tradition zwar hinreichend bekannt sein, so ist sie wohl noch nicht jenseits des Äquators bis in den Führungsgau vorgedrungen, so dass Kamerad Sascha Nachhilfestunden in Sachen Auszuzl`n gab. Es folgten ungläubige Fragen, schreckgeweitete Augen und der Führer höchstpersönlich sah sich zu alternative Anwendungen inspiriert. Bis nächstes Jahr und Heil Boskop!